Jobben

„Kennste den schon? Geht ein Student zur Arbeit…“: leider schon seit langer langer Zeit kein Witz mehr, sondern für die allermeisten Studierenden Realität zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts und Studiums. Im folgenden seien einige einführende Tipps [1] zu diesem komplizierten Thema gegeben. Auch hier gilt, ebenso wie beim BAföG und vielen anderen Dingen: Im Zweifelsfall vorher noch einmal genau informieren, z.B. durch einen Besuch der FH-AStA-Sozialberatung.

Euer Netto-Einkommen darf im Jahr 7.680 Euro plus 920 Euro Werbungskostenpauschale nicht überschreiten. Darüber ergeben sich Nachteile in Form von Rückzahlungspflicht beim Bezug von Kindergeld.

BAföG-Zahlungen werden zu 50% als Einkommen angerechnet.
Steuerrechtlich schlägt der Fiskus bei Steuerklasse I etwa ab 900 Euro monatlich bzw. 10.780 Euro jährlich zu.
Um keine Abzüge bei der BAföG-Förderung zu erleiden, dürfen nur 4.206,62 Euro im Jahr dazu verdient werden. Diese Summe ist unabhängig von der Höhe der tatsächlichen BAföG-Förderung. Der Gesetzgeber geht in seiner unendlichen Güte davon aus, dass Eure Eltern den tatsächlichen Betrag (im schlimmsten Fall ein feuchter Händedruck Deines Sachbearbeiters) auf den Höchstsatz aufstocken. Schön wär’s…

Ein „geringfügiges Beschäftigungsverhältnis“, auch „Mini-Job“ genannt, liegt vor, wenn ein Job mit maximal 400 Euro Verdienst im Monat angetreten wird. Steuern und Sozialabgaben entfallen hier für Euch, der Arbeitgeber führt im gewerblichen Bereich pauschal 25%, in Privathaushalten 12% an die „Minijob-Zentrale“ ab.

Innerhalb eines Jahres (nicht Kalenderjahr!!!) dürft Ihr im Rahmen einer „kurzfristigen Beschäftigung“ höchstens 2 Monate (= 50 Arbeitstage) arbeiten. Die Höhe Eures Einkommens spielt dabei keine Rolle, außer natürlich in Hinblick auf die Jahreseinkommensgrenze / Freibeträge. Dieser Job ist weder sozialversicherungspflichtig noch wird er auf Euren eventuell schon bestehenden 400 Euro-Job angerechnet. Ihr seid natürlich steuerpflichtig (Lohnsteuerkarte!), bekommt die gezahlten Steuern aber bei Nichtüberschreitung des Jahresfreibetrages im Rahmen des Steuerausgleiches zurück.

Jedes Arbeitsverhältnis kommt in Form eines Arbeitsvertrages zustande, und hier gilt es gerade bei kürzeren Beschäftigungsverhältnissen auf einiges zu achten: Nach dem „Nachweisgesetz“ hat jedeR das Recht, spätestens einen Monat nach Beginn des Beschäftigungsverhältnisses die wesentlichen Vertragsbedingungen zu erfahren. Darunter fallen u.a. die Höhe des Arbeitsentgeldes, Arbeitszeit, allgemeine Tätigkeitsbeschreibung, Hinweise auf Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen, Dauer der Beschäftigung, Kündigungsfristen und Arbeitsort. Jedenfalls sollte darauf geachtet werden, zu Beginn des Beschäftigungsverhältnisses auf einen schriftlichen Arbeitsvertrag zu bestehen, in welchem die wesentlichen Vertragsbedingungen festgelegt sind, weil es immer wieder zu Streitigkeiten über Lohnhöhe, Aufgaben, Kündigungsfristen u.Ä. gibt, in denen man häufig selbst beim Weg zum Arbeitsgericht „den Kürzeren zieht“, weil es an Schriftlichem fehlt.

Vielfach verdienen auch StudentInnen ihr Geld nicht in (dienst-)vertraglich dauerhaft geregelter Form, sondern sind frei für ArbeitgeberInnen tätig bzw. erhalten für das Erbringen bestimmter Leistungen ein bestimmtes Honorar. Dabei bist Du als freieR MitarbeiterIn für das Erbringen der Leistung selbst zuständig, insbesondere was die Art des Zustandekommens sowie Zeit und Ort des Erbringens angeht. Typische Beispiele sind HandwerkerInnenverträge (Reparaturen etc.), das Erstellen von Gutachten, aber auch unter Umständen die Werbeakquisition. Als freieR MitarbeiterIn erhältst Du Dein Honorar ohne Abzüge von Steuern und Versicherungsbeiträgen; für die Versteuerung sowie die Kranken- und Rentenversicherung bist Du selbst zuständig. Natürlich entfallen auch Urlaubs- und Krankengeld. Honorar sowie Vertragsbedingungen müssen selber ausgehandelt werden – insofern gibt es auch keinen gesetzlichen Schutz. Du bist insofern „SelbständigeR“. Allerdings ist diese Beschäftigungsform sinnvollerweise auch nur für eine freie Mitarbeit zu wählen und hat hier Vorteile; bei typisch abhängiger Beschäftigung ist sie unzulässig!

Bis zur Reform des 400 Euro-Gesetzes („Bekämpfung von Scheinselbständigkeit“) war die Unterscheidung zwischen selbständiger und unselbständiger Beschäftigung schwierig. Daher wurden viele Leute gerade mit geringem Einkommen von ihren ArbeitgeberInnen über Werkverträge beschäftigt. Heute hat das Gesetz recht klare Regelungen aufgestellt – dennoch werden diese Regelungen von ArbeitgeberInnen immer wieder gern übergangen. Insofern aufgepasst: nur wenn wirklich ein freies MitarbeiterInnenverhältnis vorliegt, hat diese Vertragsform regelmäßig auch Vorteile für Dich! Im „Gesetz zur Förderung der Selbständigkeit“ hat der Bund festgelegt, welche Merkmale dafür sprechen, dass es sich um eine abhängige und damit sozialversicherungspflichtige Beschäftigung handelt. Bei Vorliegen von drei dieser Merkmale liegt im Regelfall Sozialversicherungspflicht vor. Du solltest in diesem Fall dringend mit Deinem Betriebsrat oder der zuständigen Gewerkschaft sprechen!

  • Du beschäftigst im Zusammenhang mit Deiner Tätigkeit regelmäßig keineN versicherungspflichtigeN ArbeitnehmerIn mit regelmäßigem Einkommen über 400 Euro
  • Du bist auf Dauer und im Wesentlichen nur für eineN AuftraggeberIn tätig
  • DeinE AuftraggeberIn lässt ähnliche Tätigkeiten regelmäßig von anderen abhängig Beschäftigten im Betrieb erledigen
  • Deine Tätigkeit lässt typische Merkmale unternehmerischen Handelns (z.B. Werbung) nicht erkennen
  • Deine Tätigkeit entspricht dem äußeren Erscheinungsbild nach einer Tätigkeit, die Du für selbige ArbeitgeberIn vorher aufgrund eines Beschäftigungsverhältnisses ausgeübt hast.

Häufig finden sich an allen FH-Standorten und ebenso in der Universität Aushänge und schwarze Bretter mit Jobangeboten, nicht selten wird sehr kurzfristig gesucht, so dass eine häufige Suche nach neuen Angeboten lohnen kann. ArbeitgeberInnen, die kurzfristig Aushilfen suchen (z.B. auf der nahen Messe), rufen gerne in den AStA-Büros an und bitten um Aushang.

Dann gibt es auf dem Uni-Gelände eine Arbeitsvermittlung für Studierende des Arbeitsamtes (oder wie es jetzt heißt: „Agentur für Arbeit“):

Viel Erfolg bei der Suche und lasst Euch nicht ausbeuten.

zum Thema Studium und Jobben siehe u.a. im Internet:

www.studentenwerke.de/main/default.asp?id=03311

Sehr informativ ist auch die Broschüre „Jobben und Studium” des Studentenwerkes.

Euer FH-AStA-Sozialreferat