BAföG

Finanzierung des Studiums
Förderung nach dem BAföG

Seit dem Moment, in dem Du Dich immatrikuliert hast, bist Du im Regelfall auch berechtigt, BAföG-Förderung für den Zeitraum der „Regelstudienzeit“ des jeweiligen Studiengangs zu beziehen. Ganz so einfach ist die Sache aber leider nicht. Das BAföG-Regelwerk sowie die Antrags- und Vergabepraxis entsprechen auch gewiss nicht dem Willen und den Vorstellungen der StudentInnenschaft und ihrer Vertretung. So gern wir es ändern würden und so sehr wir das auch versuchen, müssen wir uns bei der Beratungspraxis diesen Bedingungen jedoch beugen. Der folgende Artikel soll über die wichtigsten Grundzüge der Beantragung von BAföG informieren.

Nicht immer liegt eine Berechtigung zum Bezug von BAföG-Förderung vor und oft gibt es Gründe, die Deine BAföG-Ansprüche vermindern oder gar auf Null setzen können. Der bekannteste ist wohl das Einkommen der Eltern. In der Regel sind diese nämlich für die Finanzierung deiner Ausbildung verantwortlich. Sind sie dazu nicht in der Lage, übernimmt das BAföG den Betrag, der ihnen nicht zumutbar ist. So will es das Gesetz. Die begehrte so genannte elternunabhängige Förderung erhalten nur jene Studis, die nach ihrem 18. Lebensjahr fünf Jahre erwerbstätig waren (zur Erwerbstätigkeit zählen auch Kriegs- und „Zivil“-Dienst, Kindererziehung etc.) oder aber eine mindestens dreijährige Ausbildung absolviert haben UND zusätzlich drei Jahre erwerbstätig waren, im Regelfall den BAföG-Höchstsatz.
Eine beliebte Hürde bei der Beantragung von BAföG-Förderung ist auch das Abfragen des Vermögens der AntragstellerInnen. Du hast einen Freibetrag von 5.200 Euro an eigenem Kapitalvermögen, wobei der Tag der ersten Antragsstellung der Stichtag für die Berechnung ist. Bei Überschreitungen des Freibetrages drohen Abzüge bei den BAföG-Zahlungen, im schlimmsten Fall die komplette Einstellung von Zahlungen. Berücksichtigt werden Konten und Sparbücher, Bausparverträge, Aktien, Wertpapiere usw.. Vorsicht Falle: Das wird auch überprüft, z.B. mit dem Abgleich von Angaben im Antrag mit Unterlagen des Finanzamtes, also mit Steuererklärungen etc.. Und noch einmal Vorsicht Falle: Vati und Mutti, Oma Käthe oder Tante Else haben ein Konto auf Deinem Namen laufen und zahlen seit Deiner Geburt monatlich einen kleinen Betrag darauf ein? Damit sich „der Jung/das Mädel“ nach der Hochzeit eine rustikale Wohnungseinrichtung kaufen kann, nebst 128-teiligem Tafelgeschirr, Bettbezügen und Wickelkommode? Das würde Dir natürlich auch angerechnet… Auch Dein Verdienst kann zur Minderung deines BAföG führen. Du hast ab Oktober 2008 einen Freibetrag von 400 Euro im Monat (früher 350 Euro). Alles, was darüber hinaus geht, wird Dir ebenfalls vom BAföG abgezogen. Wenn du einem Job ergatterst, mit dem Du richtig fett Asche verdienst, kann es sogar dazu kommen, dass Du bereits erhaltene Beträge zurückzahlen musst. Noch mal Vorsicht(!): Wenn Du für ein in der Studienordnung vorgesehenes Praktikum eine Praktikumsvergütung erhältst, wird diese direkt aufs BAföG angerechnet, es gibt hierfür keinen Freibetrag.

IMMER einen Antrag stellen!
Es gilt grundsätzlich: IMMER einen Antrag stellen! Wenn Du meinst, dass Du im Grunde gar nicht berechtigt bist, BAföG-Förderung zu beziehen, z.B. wenn Du bei Studienbeginn älter als dreißig Jahre bist, solltest Du Dich vom FH-AStA-Sozialreferat beraten lassen, da es auch hier Ausnahmen von der Regel gibt. Auch StudienplatzwechslerInnen oder Leute, die irgendwann schon einmal studiert haben, sollten zur Beratung kommen, da der Wechsel oder die erneute Aufnahme eines Studiums begründet werden muss. Und das ist leider nicht immer so einfach, wie es erst einmal klingt. Ebenfalls sollten sich ausländische Studierende aus Nicht-EU-Staaten umfassend informieren lassen. Hierbei kooperiert das FH-AStA-Sozialreferat eng mit dem FH-AStA-AusländerInnenreferat.

Bewahre immer die Form!
Zum Antrag gehören jede Menge Formblätter. Das wichtigste ist das Formblatt 1, der eigentliche Antrag. Wenn Du Anspruch auf BAföG hast und dieses Formblatt noch im September abgibst, wirst Du – einen positiven Bescheid vorausgesetzt – rückwirkend zum 1. September gefördert. Am 1. September beginnt nämlich formal das Wintersemester. Wenn Du später abgibst, verschenkst Du Geld, da der Antrag immer nur rückwirkend zum 1. des Abgabemonats gilt. Nach Abgabe des Formblattes 1 hast Du vier Wochen Zeit, den Rest nachzureichen. Liegt der Antrag dann endlich komplett dem Amt vor, benötigt dieses noch zirka acht Wochen, um ihn zu bearbeiten. Es gibt unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, eine Vorausleistung zu beantragen. Nähere Informationen hierzu gibt es beim FH-AStA-Sozialreferat bzw. direkt beim BAföG-Amt. Auf jeden Fall solltest Du Dir von allen Sachen, die Du bei dem Amt einreichst, Fotokopien anfertigen. Außerdem empfiehlt es sich, den Antrag persönlich abzugeben, damit Rückfragen sofort geklärt werden können. Und so vermeidet man auch, dass der Brief mit dem Antrag sonstwo landet…

Die Adresse des für Düsseldorfer StudentInnen zuständigen Amtes auf dem Uni-Campus:

Studentenwerk Düsseldorf
Anstalt des öffentlichen Rechts
Amt für Ausbildungsförderung
Universitätsstr. 1,
Gebäude 21.12, Ebene 01
40225 Düsseldorf
Tel.: 0211 – 8 11-33 81
Fax: 0211 – 8 11-23 83

Antragsformulare gibt es ausschließlich als Download im Internet auf
www.bafoeg.bmbf.de/de/432.php

Die Berechnung der jeweiligen Förderung nach dem BAföG ist so kompliziert, dass wir an dieser Stelle keine Richtwerte angeben möchten bzw. können. Ihr solltet die Finger lassen von „Wieviel krieg‘ ich denn nun“-Berechnungsformeln und sonstigen Tabellchen. So erspart Ihr Euch den Schock, wenn es dann doch viel weniger wird.
Im günstigsten Fall kannst Du monatlich 643 Euro BAföG-Förderung bekommen, inklusive Mietanteil und Krankenversicherung. Auf diesem Betrag (bzw. entsprechend weniger, wenn Mietanteil und Krankenversicherung nicht anfallen sollten) habt Ihr auch einen Rechtsanspruch. Den Differenzbetrag zwischen Eurem Anspruch und dem tatsächlich vom BAföG-Amt bewilligten Betrag könnt Ihr allerdings Euren Eltern gegenüber geltend machen, im ungünstigsten Falle die kompletten 643 Euro. Aber wer macht das schon, wenn die Eltern das Geld nicht freiwillig rausrücken wollen oder gar nicht erst können…
Grundsätzlich wird BAföG für eine erste Ausbildung jeweils zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als zinsloses Darlehen gewährt, solange sich die StudentInnen innerhalb der BAföG-Förderungshöchstdauer befinden. Die Rückzahlung erfolgt fünf Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer, zumeist in monatlichen Raten von 100,- Euro, allerdings „nur“ bis zu einem Höchstbetrag von  10.000 Euro. Peanuts also, für diesen Betrag hättet Ihr nicht einmal eine vernünftige Weltreise bekommen. Und wer steigt nicht gerne ordentlich verschuldet ins Berufsleben ein…
Es gibt Möglichkeiten, einen Teil der Schulden erlassen zu bekommen, z.B. aufgrund herausragender Studienleistungen, vorzeitiger Beendigung des Studiums, der Pflege und Erziehung eines Kindes und vorzeitiger Rückzahlung des Darlehensanteils. Bei nicht ausreichendem Einkommen kann eine Freistellung von der Rückzahlung erfolgen.

Gänzlich als Zuschuss

  • die Zuschläge zum Bedarf bei einer Ausbildung im Ausland
  • Ausbildungsförderung über die Förderungshöchstdauer hinaus für eine angemessene Zeit infolge einer Behinderung, Schwangerschaft oder Pflege und Erziehung eines bis zu fünf Jahre alten Kindes

Verzinsliche Bankdarlehen von der Deutschen Ausgleichsbank sind beim BAföG nur in Ausnahmefällen vorgesehen, nämlich für die:

  • Förderung einer einzigen weiteren Ausbildung (Aufbau- bzw. Ergänzungsstudium)
  • Förderung einer anderen Ausbildung nach einem Fachrichtungswechsel aus „wichtigem Grund“, sobald die – um die in der aufgegebenen Fachrichtung verbrachten Semester gekürzte – Förderungshöchstdauer überschritten wird
  • Förderung nach Überschreiten der Förderungshöchstdauer aus wichtigem Grund, z.B. infolge
    • von Krankheit
    • einer Ausbildung (Studium/Praktikum) im Ausland
    • einer Mitwirkung in gesetzlich  vorgesehenen Gremien,
    • des erstmaligen Nichtbestehens der Abschlussprüfung;
    • einer maximal 12-monatigen Studienabschlussförderung.

Eine weitere Darstellung aller Anspruchsvoraussetzungen würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Einen ausführlichen und sehr gut recherchierten Überblick bekommst Du über das „BAföG-Handbuch“ der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften), das du über den Buchhandel beziehen kannst. Infos gibt es auch im Internet auf der Page des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter www.bafoeg.bmbf.de und unter www.bafoeg-rechner.de.)

Zusammenfassende und abschließende Tipps:

Zusammenfassend solltest Du jedenfalls bei der Antragstellung auf folgendes achten:

  • Stelle den Antrag schnell und möglichst noch im September, die Abgabe des Formblattes 1 reicht zunächst! Jeder verlorene Monat bedeutet auch verlorenes Geld. Und es kann einige Monate dauern, bis die ersten Überweisungen kommen. Fertige vor der Abgabe Fotokopien Deines Antrags.
  • Falls Du Dein Studienfach wechseln willst, mache dies ebenfalls schnell. Willst Du den BAföG-Anspruch nicht verlieren, kannst Du im Normalfall nur aus „wichtigem Grund“ und nur innerhalb der ersten drei Semester wechseln. Der Grund muss in Deiner Person und nicht in den objektiven Umständen („Klaustrophobie“ statt „überfüllter Hörsaal“) liegen. Das Einlegen von „Wartesemestern“ (Du willst eigentlich etwas anderes studieren, schreibst Dich aber schon mal irgendwo anders ein) ist nicht sinnvoll! Hier müsste Dir jedenfalls ab dem dritten Semester eine sehr gute Begründung beim Fachrichtungswechsel in das eigentlich gewünschte Fach einfallen!
  • Nutze im Zweifelsfall immer die BAföG-Beratung des AStA-Sozialreferates, BEVOR Du handelst.

Wenn es dann hoffentlich geklappt hat mit dem Antrag und Du endlich BAföG-Förderung bekommst, informiere Dich bei deinem Fachschaftsrat, was vom BAföG-Amt an Leistungsnachweisen bis Ende des vierten Semesters verlangt wird, um weiter gefördert zu werden. Dieses ist von Studiengang zu Studiengang unterschiedlich, weswegen wir hier nicht näher auf dieses Thema eingehen können. In begründeten Ausnahmefällen ist es möglich, diese Frist zu verlängern. Nähere Infos – na wo schon? – beim FH-AStA-Sozialreferat (siehe S. 28).

Nähere Infos auch unter

www.studentenwerke.de

Wir wünschen viel Erfolg beim Beantragen!
Euer FH-AStA-Sozialreferat