Donnerstag 30.01.2014 18:00 Uhr Vortrag

Dr. Marc von Miquel | Wiedergutmachung oder Schadensabwicklung?

Zur Geschichte der Entschädigung von NS-Verfolgten

Der Vortrag stellt die Geschichte der sogenannten Wiedergutmachung vor, die in der Hauptsache drei Handlungsfelder betraf: Die 1952 mit dem Vertrag zwischen Israel und der Bundesrepublik begonnenen zwischenstaatlichen Abkommen, die Rückerstattung enteigneten Vermögens und die individuelle Entschädigung von NS-Verfolgten. Zu keinem Zeitpunkt ging es dabei allein um Fragen der finanziellen Kompensation, sondern stets auch um die Bewertung der NS-Verbrechen durch Politik, Justiz und Öffentlichkeit, um die Rehabilitierung der Verfolgten und um die Zivilisierung einer Gesellschaft, aus deren Mitte heraus nur wenige Jahre zuvor beispiellose Massenverbrechen begangen worden waren. Zugleich war die Entschädigung insbesondere der jüdischen Verfolgten von außenpolitischen Interessen beeinflusst, so der Westintegration und der deutsch-israelischen Annäherung. Der Vortrag schildert die Konjunkturen der Entschädigungspolitik und geht dabei auf die Frage ein, was dies über das demokratische Selbstverständnis der deutschen Gesellschaft bis in die jüngste Vergangenheit hinein aussagt.

Dr. Marc von Miquel, geb. 1968. Geschäftsführer der Dokumentations- und Forschungsstelle der Sozialversicherungsträger, Bochum. Zuvor wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geschichtsort Villa ten Hompel, Stadt Münster und am Jüdischen Museum Westfalen, Dorsten. 2002 Promotion an der Ruhr-Universität Bochum zum Thema „Westdeutsche Justiz und Vergangenheitspolitik in den sechziger Jahren“. Magisterstudium der Geschichte und Slavistik in Bonn, Göttingen und Bochum.

Alle Vorträge finden im StudentInnencafé “freiraum” statt.

FH Düsseldorf Standort Golzheim

Der Eintritt ist frei!